Seit September 2025 ist rund um die Matthäuskirche und das Bläsischulhaus das Pilotprojekt Superblock für 1 Jahr im Gange. Informationen seitens Kanton erhalten Sie hier. Bild: Kantons- und Stadtentwicklung

11.3.2026
Die IGK hat seitens Präsidialdepartement „Superblock“ folgende Rückmeldungen bezüglich der Forderungen erhalten:
1. Schnellstmögliche Verbesserung der Parkier- und Anlieferungsmöglichkeiten für das Gewerbe:
Die Zu-/Wegfahrt zum eigenen Betrieb wie auch zur Verrichtung von Arbeiten im Perimeter sind unverändert möglich. Mit der Gewerbeparkkarte darf für 4 Stunden auch ausserhalb von Parkfeldern parkiert werden, wenn keine Verkehrsbehinderung (gilt vor allem für die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge der Sanität und Feuerwehr) erfolgt, auf der Strasse 3,5m Fahrbreite und auf dem Trottoire 1,5m Gehbreite besteht. Weitere Informationen zur Gewerbeparkkarte sind hier ersichtlich. Selbsternannte „Quartierpolizisten“ haben keine Befugnis. Praxistipp: ein Zettel hinter die Frontscheibe legen, auf welchem steht, wo gerade die Arbeit verrichtet wird (bspw. Wir arbeiten in der Müllheimerstr. XY).
2. Überprüfung und Anpassung der Verkehrsführung:
Die Änderung der Verkehrsführung ist nicht möglich, da es sich nur um einen einjährigen Pilotversuch handelt. Jedoch wird abgeklärt, ob eine Änderung der Ampelschaltung an der Kreuzung Klybeckstrasse/Feldbergstrasse eine Entlastung bringt.
3. Enger Einbezug des Gewerbes in die Auswertung der Testphase:
Ende 2. Quartal 2026 wird eine Evaluation seitens Präsidialdepartement bei den Gewerbebetrieben im Perimeter stattfinden. Die IGK wird darüber frühzeitig informiert. Wir werden zu gegebener Zeit eine weitere Umfrage an unsere Mitglieder starten.
Wir verfolgen die Entwicklungen im Superblock weiterhin und nehmen jederzeit Ihre Rückmeldungen entgegen.
Oktober 2025
Die IGK hat im Oktober 2025 eine Umfrage bei ihren Mitgliedern zum Superblock-Start durchgeführt. Die Rückmeldungen wurden zusammengefasst und der zuständigen Projektleiterin zugestellt.
Sehr geehrte Damen und Herren
Die IG Kleinbasel (IGK) setzt sich als Interessenvertretung der Gewerbebetriebe im Kleinbasel für eine ausgewogene Entwicklung des Stadtteils ein – im Sinne unseres Leitbildes „Zusammen gestalten wir Zukunft“. Wir unterstützen Massnahmen, welche die Quartiere auf der rechten Rheinseite lebenswerter und zukunftsfähiger machen, sofern sie die Arbeitsbedingungen des lokalen Gewerbes und die Erreichbarkeit der Betriebe nicht beeinträchtigen.
1. Ausgangslage
Die IGK hat gut drei Wochen nach dem Start des Pilots Superblock Matthäus unter ihren Mitgliedern im und angrenzend an den Perimeter eine Umfrage durchgeführt. Befragt wurden Detailhandels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe. Die Rückmeldungen geben ein differenziertes, insgesamt jedoch kritisches Bild wieder.
2. Grundsätzliche Einschätzung
Die IGK begrüsst grundsätzlich Bestrebungen, den öffentlichen Raum im Kleinbasel aufzuwerten, den Fuss- und Veloverkehr zu fördern und die Lebensqualität zu steigern. Gleichzeitig ist es uns ein Anliegen, dass die wirtschaftlichen und logistischen Realitäten der ansässigen Betriebe
berücksichtigt werden.
Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen, dass die aktuelle Umsetzung des Superblock-Konzepts im Matthäusquartier insbesondere für das lokale Gewerbe erhebliche praktische Probleme mit sich bringt. Diese betreffen vor allem:
– erschwerte Zufahrts- und Anlieferungsbedingungen,
– ungenügende Parkiermöglichkeiten für Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe,
– eine Verlagerung des Durchgangsverkehrs auf angrenzende Strassen und
– eine Verschärfung der Parkplatzsituation für Anwohnende und Gewerbe ausserhalb des Superblock-Perimeters.
3. Ergebnisse aus der IGK-Mitgliederbefragung
– Anlieferung & Parkierung:
Mehrere Betriebe berichten von einer Verschlechterung der Parkiermöglichkeiten in und um den Superblock. Besonders Handwerksbetriebe, die für Arbeiten kurzfristig Material und Werkzeuge ausladen müssen, sind betroffen. Das Ausweichen auf Trottoirs oder Privatparkplätze führt zu Konflikten mit Anwohnenden und zusätzlichen Sicherheitsrisiken. Die Güterumschlagparkplätze sind mehrheitlich durch private Fahrzeuge belegt, welche
nicht dem Zweck des Güterumschlags abgestellt werden.
– Verkehrsverlagerung:
Die Umleitung des Verkehrs führt zu erhöhtem Druck auf angrenzende Strassen wie die Klybeckstrasse, Hammerstrasse oder die Müllheimerstrasse. Einige Betriebe berichten von stauenden Fahrzeugen, wendenden LKW und einem gestiegenen Verkehrsaufkommen vor ihren Liegenschaften. So bringt die neue Verkehrsführung ein erhöhtes Stauvolumen an der Kreuzung Klybeck-/Feldbergstrasse mit sich, was zu starken Verspätungen im
Tramverkehr sorgt. Die Trams stehen vor der Kreuzung länger im Stau, da sie sich die Fahrbahn mit den Autos teilen, welche neu via Sperrstrasse Richtung Messe fahren müssen.
– Betriebliche Auswirkungen:
Während einige Unternehmen angeben, bisher keine unmittelbaren Auswirkungen zu spüren, betont die Mehrheit, dass die Zufahrt erschwert und der Zeitaufwand für Lieferungen und Montagearbeiten gestiegen ist.
– Wahrnehmung im Quartier:
Positiv hervorgehoben wird vereinzelt die ruhigere Atmosphäre und das Bestreben, das Quartier aufzuwerten. Jedoch wird bezweifelt, dass die frei gewordenen Flächen tatsächlich stärker für Begegnung, Spiel oder Aufenthalt genutzt werden. Die Jahreszeit (Oktober/November) trägt derzeit naturgemäss zu einer geringeren Aufenthaltsfrequenz im Freien bei.
– Sicherheitslage / soziale Aspekte:
Mehrere Rückmeldungen erwähnen eine zunehmende Präsenz von Drogenkonsumierenden im öffentlichen Raum rund um den Matthäusplatz. Andere
beobachten keine Veränderung der bereits angespannten Situation.
4. Erste Bewertung der Testphase
Die IGK anerkennt, dass städtebauliche Veränderungen stets Anpassungen und eine gewisse Eingewöhnungszeit erfordern. Dennoch sollte eine Testphase dazu dienen, reale Bedürfnisse zu erkennen und praktikable Lösungen zu erproben – insbesondere auch für das Gewerbe, das auf
funktionierende Zufahrtswege und effiziente Logistik angewiesen ist.
Unsere betroffenen Mitglieder äussern sich mehrheitlich kritisch gegenüber einer dauerhaften Fortführung des Superblock-Konzepts in der jetzigen Form. Nur eine von acht befragten Firmen befürwortet eine Weiterführung unter der Bedingung, dass für das Gewerbe geeignete Parkiermöglichkeiten geschaffen werden.
5. Hauptforderung der IGK
1. Schnellstmögliche Verbesserung der Parkier- und Anlieferungsmöglichkeiten für das Gewerbe:
Einrichtung von klar signalisierten, zeitlich beschränkten Gewerbeparkplätzen innerhalb und ausserhalb des Superblocks (z. B. für Handwerker, Lieferdienste, Servicefahrzeuge).
2. Überprüfung und Anpassung der Verkehrsführung:
Analyse der Verkehrsverlagerung auf angrenzende Strassen sowie Massnahmen gegen stauende oder wendende Fahrzeuge im Zubringerbereich (insbesondere Klybeck- und Hammerstrasse).
3. Enger Einbezug des Gewerbes in die Auswertung der Testphase:
Frühzeitige und strukturierte Beteiligung der lokalen Betriebe an der Entscheidungsfindung über das weitere Vorgehen, inklusive transparenter Kommunikation der Auswertungsergebnisse.
6. Fazit
Die IG Kleinbasel unterstützt den Grundgedanken einer Aufwertung des Quartiers, ersuchen aber um schnelle Nachbesserungen, die eine faire Balance zwischen Aufenthaltsqualität und wirtschaftlicher Nutzbarkeit gewährleisten. Ein lebendiges Quartier entsteht nur, wenn Gewerbe, Anwohnende und Verwaltung gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.
Die IG Kleinbasel steht zur Verfügung, gemeinsam mit den verantwortlichen Stellen des Kantons, der Stadtentwicklung und den Quartierorganisationen konstruktive Lösungen zu erarbeiten, damit das Kleinbasel ein attraktiver Arbeits- und Lebensraum bleibt – für alle.









