Superblock

Seit September 2025 ist rund um die Matthäuskirche und das Bläsischulhaus das Pilotprojekt Superblock für 1 Jahr im Gange. Informationen seitens Kanton erhalten Sie hier. Bild: Kantons- und Stadtentwicklung

5.5.2026
Ideologie trifft auf Realität: Emotionales Kleinstadtgespräch zum Superblock

Das Kleinstadtgespräch zum Thema Superblock im Matthäus-Quartier stiess auf grosses Interesse und verlief über weite Strecken engagiert und emotional. Anwohnerinnen und Anwohner nutzten die Veranstaltung, um ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Einschätzungen zum laufenden Pilotprojekt einzubringen.

Ein zentrales Thema war die Nutzung des öffentlichen Raums innerhalb des Superblocks. Während einige Teilnehmende von einer gelungenen Belebung berichteten, wonach Strassenabschnitte vermehrt als Aufenthaltsorte genutzt würden, schilderten andere ein gegenteiliges Bild mit nur geringer Präsenz von Anwohnenden im Strassenraum. Einigkeit bestand darin, dass sich das Nutzungsverhalten je nach Abschnitt unterschiedlich entwickelt.

In Bezug auf den Verkehr wurde festgehalten, dass der Durchgangsverkehr insgesamt abgenommen habe. Gleichzeitig wurde jedoch mehrfach darauf hingewiesen, dass Fahrverbote nicht konsequent eingehalten würden und weiterhin Fahrzeuge den Perimeter durchqueren. Kritisch diskutiert wurde zudem die Verkehrssituation in den angrenzenden Strassen, wo eine Zunahme des Verkehrs sowie ein erhöhter Parkdruck wahrgenommen wird. Hintergrund ist unter anderem der Wegfall von rund 70 Parkplätzen innerhalb des Perimeters, für die bislang keine vollständigen Alternativen geschaffen wurden.

Auch Sicherheitsaspekte kamen zur Sprache. Mit Blick auf die kommenden Sommermonate äusserten einige Teilnehmende Bedenken hinsichtlich spielender Kinder im Strassenraum. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass es vereinzelt zu Missverständnissen über die geltenden Verkehrsregeln komme, insbesondere in Bezug auf Fahrverbote und deren Ausnahmen. Andere Stimmen relativierten diese Befürchtungen und verwiesen darauf, dass sich das Spielgeschehen hauptsächlich auf bestehende Bereiche wie den Spielplatz rund um die Matthäuskirche konzentriere.

Seitens der kantonalen Vertretung wurde wiederholt betont, dass es sich beim Superblock um ein zeitlich befristetes Pilotprojekt handelt, das nach einem Jahr evaluiert wird. In diesem Zusammenhang verwies der Kanton auf laufende Verkehrsmessungen sowie punktuelle Anpassungen durch temporäre Massnahmen. Zudem wurde eine durchgeführte Umfrage unter der Quartierbevölkerung erwähnt. Diese Aussage wurde jedoch von mehreren anwesenden Personen infrage gestellt, da sie nach eigenen Angaben keine entsprechende Befragung erhalten hätten.
Grundsätzlich zeigte sich in der Diskussion, dass Eingriffe in einem dicht bebauten und verkehrstechnisch komplexen Quartier wie dem Matthäus-Perimeter vielfältige Wechselwirkungen auslösen. Insbesondere das Verkehrsregime rund um den Superblock wurde von mehreren Teilnehmenden als unklar oder unzureichend abgestimmt kritisiert. Auch die Kommunikation und Verständlichkeit der Massnahmen wurden teilweise hinterfragt.

Die Positionen zum Superblock bleiben gespalten. Während Befürworterinnen und Befürworter die Chance sehen, den öffentlichen Raum langfristig lebenswerter und nachhaltiger zu gestalten, betonen kritische Stimmen die Bedeutung funktionierender Verkehrsflüsse sowie die Bedürfnisse von Gewerbe und Anlieferung. Eine Verdrängung des Gewerbes aus den Quartieren ins Umland würde nicht nur den Wegfall von Steuerzahlen, Verlagerung von Arbeits- und Lehrlingsplätzen bedeuten, sondern wiederum grössere Pendlerbewegungen von der Agglomeration in die Stadt hervorrufen. Dies widerspricht jedoch den Klimazielen der Stadt Basel und bedeutet die finanzielle Abwälzung des Anfahrtsweges auf den Auftraggeber. So stiessen einzelne Wortmeldungen, welche für weitergehende Einschränkungen des motorisierten Verkehrs bspw. auf der Klybeckstrasse, auf deutlichen Widerspruch.

Ein gewisser Konsens zeichnete sich dennoch ab: Begegnungszonen werden grundsätzlich als mögliche Massnahme anerkannt, sofern sie breit abgestützt sind und von der Quartierbevölkerung mitgetragen werden. Gleichzeitig wurde mehrfach der Wunsch geäussert, die Anwohnenden künftig stärker in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Das Kleinstadtgespräch machte deutlich, dass das Spannungsfeld zwischen städtebaulicher Vision und alltäglicher Nutzung im Quartier weiterhin Diskussionsbedarf bietet. Die angekündigte Evaluation des Pilotprojekts dürfte daher mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden.

11.3.2026
Die IGK hat seitens Präsidialdepartement „Superblock“ folgende Rückmeldungen bezüglich der Forderungen erhalten:

1. Schnellstmögliche Verbesserung der Parkier- und Anlieferungsmöglichkeiten für das Gewerbe:
Die Zu-/Wegfahrt zum eigenen Betrieb wie auch zur Verrichtung von Arbeiten im Perimeter sind unverändert möglich. Mit der Gewerbeparkkarte darf für 4 Stunden auch ausserhalb von Parkfeldern parkiert werden, wenn keine Verkehrsbehinderung (gilt vor allem für die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge der Sanität und Feuerwehr) erfolgt, auf der Strasse 3,5m Fahrbreite und auf dem Trottoire 1,5m Gehbreite besteht. Weitere Informationen zur Gewerbeparkkarte sind hier ersichtlich. Selbsternannte „Quartierpolizisten“ haben keine Befugnis. Praxistipp: ein Zettel hinter die Frontscheibe legen, auf welchem steht, wo gerade die Arbeit verrichtet wird (bspw. Wir arbeiten in der Müllheimerstr. XY).

2. Überprüfung und Anpassung der Verkehrsführung:
Die Änderung der Verkehrsführung ist nicht möglich, da es sich nur um einen einjährigen Pilotversuch handelt. Jedoch wird abgeklärt, ob eine Änderung der Ampelschaltung an der Kreuzung Klybeckstrasse/Feldbergstrasse eine Entlastung bringt.

3. Enger Einbezug des Gewerbes in die Auswertung der Testphase:
Ende 2. Quartal 2026 wird eine Evaluation seitens Präsidialdepartement bei den Gewerbebetrieben im Perimeter stattfinden. Die IGK wird darüber frühzeitig informiert. Wir werden zu gegebener Zeit eine weitere Umfrage an unsere Mitglieder starten.

Wir verfolgen die Entwicklungen im Superblock weiterhin und nehmen jederzeit Ihre Rückmeldungen entgegen.


igk
Author: igk

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